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Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Was tun bei einer Katastrophe, wenn auch noch der Strom ausfällt?
Funkamateure üben in Hohenaspe gemeinsam mit der
Feuerwehr für den Ernstfall.


Eigentlich ist die Feuerwehr zur Kommunikation untereinander gut mit Funk-
technik ausgerüstet. Aber was passiert, wenn die Stromversorgung im
Katastrophenfall einmal ausfällt ? Das zu überbrücken, übte die Freiwillige
Feuerwehr in Hohenaspe nun gemeinsam mit den Funkamateuren
vom Ortsverband Itzehoe im Deutschen Amateur Radio Club (DARC) zum ersten
mal in Schleswig Holstein. Vor dem Gerätehaus wurde eine Einsatzleitstelle
eingerichtet, ein Dutzend Fahrzeuge der Feuerwehr waren unterwegs. 20
Teilnehmer der Notfunkgruppe des Itzehoer Ortsvereins und 30 Mitglieder der
Freiwilligen Feuerwehren. Unteres Störgebiet 1 waren unter realen Bedingungen
zweieinhalb Stunden lang im Einsatz. „Wir testen, die Verbindung zur
Einsatzleitstelle in Hohenaspe mit unseren vereinseigenen Geräten zu halten“,
erläuterte der Notfunkreferent des Distriktes Schleswig-Holstein im DARC,
Herbert Neumann Dies sei auch bundesweit für den Ernstfall gesetzlich
vorgesehen. Da aber die Feuerwehr mit ihrem Funk eine nicht so große
Reichweite hat, wie sie die Funkamateure erzielen können, wäre diese Art von
Unterstützung im Ernstfall Gold wert. Real das Szenario: Die Funkamateure aus
Itzehoe bauten eine 18 Meter hohe GFK-(Glasfaser-Kunststoff) Richtantenne am
Feuerwehrgerätehaus auf. Bei den anschließenden Orientierungsfahrten mit ihren
Fahrzeugen legte die Wehr zunächst ihre eigene Funkverbindung lahm,
dann gab die Einsatzleitung die Aufgaben über die technischen Anlagen
der Funkamateure durch. Die mit Feuerwehrleuten besetzten Fahrzeuge hatten
mindestens einen Funkamateur mit Gerät und Antenne an Bord. Einige hatten
zusätzlich auch noch ein Köfferchen mit Positionserkennungsgerät dabei, das die
Standorte der Fahrzeuge zurück sendete. Auf diese Weise war auf einer im
Feuerwehrgerätehaus projizierten Karte zu sehen, wer sich gerade wo aufhielt.
Anhand eines Koordinatensystems wurde ihnen nun über den „Ersatzfunk“
mitgeteilt, wo sie hinfahren und was sie dort finden sollten. Sie mussten
beispielsweise an den Malzmüllerwiesen einen Feuerwehrmann aufnehmen.
"Wir wollen jetzt öfter derartige Übungen machen“, wie Herbert Neumann sagte,
obwohl sie nicht die gleiche Technik nutzen. Eigentlich bereits in den 80er Jahren
nach der Schneekatastrophe von 1978 geplant, versandete das Vorhaben einer
engeren Zusammenarbeit zwischen Feuerwehr und Funkamateuren bis heute
wieder. Nun ist geplant, diese neu aufzubauen wie Herbert Neumann fortfuhr.
Der Funk der Wehren funktioniere nur kleinmaschig, um einen Mast herum,
wie Thies Möller, Funkfernmeldebereichsleiter Oberes Störgebiet 1, erläuterte.
Die Funkamateure dürfen andere Leistungen mit größeren Reichweiten erzielen.
„Die Übung hat für uns auch den Sinn, Schwachstellen heraus zu finden, die
Zusammenarbeit zu erproben und gegenseitiges Verständnis zu erzeugen“,
sagte er. Das solle nicht erst geschehen, wenn es zu spät ist. „Dann wollen
wir auf eingeübte Strukturen zurück greifen. Wenn es Verbesserungs-
potenzial gibt, wollen wir es erfolgreich ausbessern.“ Zusammenarbeiten
wolle man auch mit anderen Wehren in Schleswig-Holstein. „Wir sind die ersten,
die das anstreben, während es in anderen Bundesländern schon eine engere
Zusammenarbeit gibt.“ Längerfristig solle auch eine Verschmelzung der digitalen
Welt mit der Funkwelt vorgenommen werden. Noch stehe man am Anfang.
„Zunächst wird das aber erst einmal alles ausgewertet“, sagte Thies Möller.


                                                                    Quelle: Norddeutsche Rundschau

Hobbyfunker als Notfallhelfer

Thüringer Behörden wollen in Krisenlagen auch auf Unterstützung durch
Amateurfunkklubs zurückgreifen können Weil der Digitalfunk der
Sicherheitsbehörden im ganz großen Ernstfall ausfallen kann, planen manche
Bundesländer, in dieser Notlage auf Hobbyfunker und ihre analoge Technik
zurückzugreifen. Die Idee ist simpel, doch nicht ganz leicht umzusetzen.
In Thüringen sind Wolfgang Schneider und sein Team mit dem Problem
beschäftigt. Der Polizist ist Leiter der Stabsstelle Krisenmanagement im Erfurter
Innenministerium und damit so etwas wie Thüringens oberster Notfallmanager.
Er hat vor einigen Wochen Kontakt mit Joachim Kaufmann vom Amateurfunkklub
in Schmalkalden aufgenommen. Dessen Funkanlage ist in einem kleinen Raum
eines Hotels untergebracht, das hoch über den meisten Dächern von
Schmalkalden auf einem Plattenbau steht eine mehrere Meter lange Antenne
haben die Hobbyfunker außen am Gebäude angebracht. Nun sitzen Schneider
und Kaufmann gemeinsam mit anderen Hobbyfunkern in jenem Hotel und
tauschen sich darüber aus, was die Funkamateure leisten können, wenn die
Digitalnetze auch der Sicherheitsbehörden ausfallen. Andreas Kleiner, Polizist in
Niedersachsen und selbst Funkamateur, beschreibt ein mögliches Szenario:
In einer Krise fällt der Strom in Thüringen aus; eine Versorgung von außen
ist nicht möglich. Nach einigen Stunden funktioniert deshalb auch kein Digitalfunk
der Sicherheitsbehörden mehr, weil der Reservestrom für dessen Komponenten
aufgebraucht ist. Alle anderen Notfallpläne für diesen Fall versagen. Um trotzdem
noch an Informationen darüber zu kommen, was in Schmalkalden gerade los ist,
setzt der Krisenstab in Erfurt auf die Hilfe der Funkamateure. Die Alternative
wäre, Meldefahrzeuge zwischen Erfurt und Schmalkalden pendeln zu lassen.
Aber das würde viel Zeit kosten. Der kleine Raum in dem Hotel in Schmalkalden
wird zu einer Art lokalen Funkzentrale, von der aus über die dort befindliche
Analogtechnik von Kaufmann Lagemeldungen nach Erfurt übermittelt werden
wo die Funksprüche von dortigen Hobby-Funkern empfangen und an den Krisen-
stab weitergeleitet werden.Das können Nachrichten über Verletzte sein.
Darüber wie viel Not-Energie das örtliche Krankenhaus noch hat. Wie viele
Wasservorräte in der Region noch vorhanden sind. Ob zusätzliche Helfer aus
anderen Teilen Thüringens benötigt werden. "Klar ist die Aufrechterhaltung der
Kommunikation in Krisenzeiten ein großes Thema für uns," sagt Schneider.
»Wir sind sehr stark abhängig von jeglicher Form von Kommunikation.Die
Vorbereitung auf ein solches Szenario läuft nach dem, was Kleiner berichtet,
schon seit Jahrzehnten. Jedenfalls auf Seiten der Funkamateure. Bundesweit,
sagt Kleiner, gebe es allein etwa 40 000 Hobbyfunker, die im Deutschen
Amateur-Radio-Club organisiert seien; mit eigens für sie reservierten Frequenzen
und mit jeweils eigener Technik; Technik, die so simpel und robust sei, dass sie
anders als der Digitalfunk auch unter widrigsten Umweltbedingungen funktio-
niere. »Das ganze läuft auch in irgendeiner Outdoor-Umgebung, in irgendeiner
Blechkiste«, sagt Kleiner. Und während die einzelnen Komponenten
des Digitalfunks - die Antennen, die Rechenzentren, die Handfunkgeräte - einen
hohen Strombedarf hätten, lasse sich die meiste analoge Funktechnik der Hobby-
Funker selbst mit Autobatterien oder Solar-Akkus über einen langen Zeitraum
hinweg betreiben. Das ist umso wichtiger, da kraftstoffbetriebene Notstrom-
aggregate bei Stromausfall wohl nur für einen kurzen Zeitraum laufen werden.
Denn auch für die Zapfsäulen der Tankstellen werde Strom benötigt, damit sie
funktionieren, sagt Schneider. So sehr allerdings die Funkamateure inzwischen
auf einen solchen Ernstfall vorbereitet sind, so wenig ist das der Staat in weiten
Teilen Deutschlands. Wie auch in Thüringen. Schneider räumt ein, dass die
Behörden im Freistaat sich auf eine mögliche Unterstützung im Krisenfall durch
Funkamateure praktisch überhaupt noch nicht eingestellt haben. Zwar habe es
vor einigen Jahren bereits entsprechende Überlegungen gegeben. »Aber wir
haben auch ein Alltagsgeschäft«, sagt Schneider. Das habe solche Überlegungen
für den ganz großen Krisenfall überlagert. Nun, in einer deutlich verschlechterten
Sicherheitslage allerdings, hätten solche Planungen wieder eine wesentlich
höhere Priorität. Die mögliche Notfall-Zusammenarbeit zwischen den Behörden
und den Funkern werde er deshalb in den kommenden Monaten vorantreiben,
sagt Schneider. So, wie das nach Angaben von Kleiner bereits in Niedersachsen
geschehen ist. Und in Bayern, im Saarland, in Nordrhein-Westfalen. Als Gegen-
leistung für ihre Hilfe wollen die Funkamateure laut Kleiner nicht viel.
Schon gar nicht viel Geld. Wenn der Staat Technik ausmustere, sagt er,
dann sei es eine gute Idee, sie Hobbyfunkern zur Verfügung zu stellen.
Zudem sei es wichtig, technische Gerätschaften der Funkamateure
auf solche Türme mit aufzusetzen, die der Staat ohnehin nutze ohne, dass ihnen
dafür Kosten in Rechnung gestellt würde. Nicht zuletzt sei günstig,
wenn der Staat bei seinen Beschäftigten für das Hobby Funken werbe und
potenzielle Amateurfunker beim Erwerb der erforderlichen Lizenzen unterstütze.
Auch damit, sagt Kleiner, habe man in Niedersachsen bereits gute Erfahrungen
gemacht. Async Tag // Tag for network 59: Netpoint Media // Website: NEUES-
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